Aufrecht gehen

Rudi Dutschke – Aufrecht Gehen. 1968 und der libertäre Kommunismus

Bibliothek des Widerstands Band 12
Erschienen Oktober 2012
ISBN 978-3-942281-81-2
Erschienen Oktober 2012
Preis €29,90

Am 11. April 1968 wurde Rudi Dutschke, die Symbolfigur der antiautoritären Bewegung und neben Hans-Jürgen Krahl der theoretische Kopf der Außerparlamentarischen Opposition, auf dem Kurfürstendamm von dem 24-jährigen Josef Bachmann niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. Bachmann sagte nach seiner Festnahme: „Ich möchte zu meinem Bedauern feststellen, dass Dutschke noch lebt. Ich hätte eine Maschinenpistole kaufen können. Wenn ich das Geld dazu gehabt hätte, hätte ich Dutschke damit zersägt.“

Bachmann hatte seine Schießausbildung von dem NPD-Mitglied Wolfgang Sachse erhalten und enge persönliche Kontakte zu Mitgliedern der späteren Wehrsportgruppe Hoff mann. Die auf das Attentat folgenden bundesweiten Proteste, insbesondere gegen den Springer-Verlag, erschütterten tagelang die Republik. Rudi Dutschke erholte sich nie mehr völlig von den Schusswunden und starb am 24. Dezember 1979 in Dänemark an den Spätfolgen des Attentats.

Der Sozialforscher und Philosophie-Professor Helmut Reinicke, einer der Weggefährten von Rudi Dutschke, erinnert im Hauptext des Buches an den libertären Kommunismus als zentrale Kraftquelle der 68-Revolte und das Ringen des frühen Dutschkes um einen von der orthodoxen Verfremdung befreiten Marxismus, der die notwendige gesellschaftliche Veränderung auch auf sich bezieht. Der große Bogen eines freien Marxismus prägt den zwölften Band der Bibliothek des Widerstands.

Diesem Band liegen 4 Filme auf 2 DVDs bei:

DVD 1
Dutschke, Rudi, Rebell
D 1998, 36 min. Regie: Jürgen Miermeister

Aufrecht gehen
BRD 1988, 78 min. Regie: Helga Reidemeister

DVD 2
Rudi Dutschke – Sein jüngstes Portrait
BRD 1968, 55 min. Regie: Wolfgang Venohr

Zu Protokoll »Rudi Dutschke«
BRD 1967, 41 min. Günter Gaus im Gespräch mit Rudi Dutschke


Pressestimmen

»Wer von Dutschke nur das Bild des Mannes mit dem Strickpullover und dem Megaphon hat, sollte zuerst die Filme ansehen. Hier leiten sie in den Text ein. Zu sehen ist zum einen das berühmte Fernsehinterview, das Günter Gaus am 3. Dezember 1967 mit Dutschke führte. Der damals 27jährige konnte sich zum ersten Mal einer wirklich breiten Öffentlichkeit vorstellen. Das Gespräch ist immer wieder sehenswert und ein gutes Argument gegen die Diffamierungen, die immer wieder gegen Dutschke vorgebracht werden. Des weiteren ist das bewegende Dutschke-Porträt seiner einstigen WG-Genossin Helga Reidemeister auf den beiden DVDs enthalten (»Aufrecht gehen«, 1988).Schließlich gibt es noch zwei weitere Porträts des Studentenführers: Ein jüngeres, zur Einleitung eher ungeeignetes, von Autor und Filmemacher Jürgen Miermeister von 1998 sowie ein zeitgenössisches aus dem Jahr 1968. Es zeigt Dutschke auf dem Höhepunkt seiner Popularität wenige Tage vor dem Attentat auf ihn am 13. April 1968. Dieser Film von Wolfgang Venohr ist schon deshalb ein sehr wichtiger Bestandteil des Bandes, weil Dutschke in ihm wiederum lange und ausführlich selbst zu Wort kommt und Venohr ihn mit vielen Vorurteilen konfrontiert – eine wertvolle Wiederentdeckung, die lange nicht zugänglich war. Sie enthält viele bekannte Passagen, die hier ungeschnitten und im Kontext zur Geltung kommen. Das äußerst umfangreiche Buch ist zweifellos interessant, wenn auch nicht einfach zu verdauen. Es enthält zum einen Originaltexte Dutschkes, von denen insbesondere sein Referat auf dem Seminar des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Oberreifenberg aus dem Jahr 1966 von besonderem Interesse ist. Es gehört zu seinen vielen Ausarbeitungen und Fragmenten, die im Nachlaß versteckt sind. Aus ihm wurden bis heute leider nur wenige Teile veröffentlicht. Sie zeugen davon, daß Dutschke viel mehr als der charismatische Rhetoriker war, zu dem er gemeinhin gemacht wird. Seine praktische Politik war immer als eine Konsequenz fundierter Analysen zu verstehen.«
Helge Buttkereit, Junge Welt

»Im Band 12 der Reihe Bibliothek des Widerstands (…) wird Rudi Dutschke gewürdigt. Helmut Reinicke (damals SDS Frankfurt) stellt die Position Rudi Dutschkes in den Kontext des 68er-Aufbruchs und entfaltet den Reichtum einer undogmatischen gesellschaftlichen Aufbruchszeit.«
taz-Genossenschaftsinfo

»Reinicke ordnet seinen Genossen in der Aufbruchskultur der 60er Jahre ein und skizziert die gesellschaftspolitische Atmosphäre jener Jahre vor einem internationalen Hintergrund. Texte (u.a. „Utopie und Revolution“ und sein Referat auf dem Seminar des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Oberreifenberg aus dem Jahr 1966), zahlreiche Fotos sowie Faksimiles von Mitschriften Dutschkes zeigen ein authentisches Porträt eines der wohl politischsten Menschen der Welt. Dutschkes „kommentierte Bibliographie des revolutionären Sozialismus“, ein Glossar sowie Biografien damaliger Zeitgenossen ergänzen dieses vielseitige illustrierte Geschichtsbuch Rudi Dutschke. (…) Über die Geschichte des Widerstands kann man nicht genug wissen, denn wer weiß, ob dieses Wissen nicht schon sehr bald wieder gebraucht wird. Uneingeschränkte Empfehlung!«
Jürgen Weber, versalia – Das Literaturportal

Zum Buch von Helmut Reinicke schreibt der Autor und Dutschke-Forscher Carsten Prien: »Reinickes einzigartige Studie setzt Standards für eine weitergehende sozial- und ideengeschichtliche Verortung Dutschkes.« (Prien, Carstens Dutschkismus. Rudi Dutschkes politische Theorie, Ousia Lesekreis Verlag, Seedorf 2015, S. 25)