Laika Verlag

 

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Rezension zu Srećko Horvat: Nach dem Ende der Geschichte

13. Juni 2013
Alexander Struwe, pw-portal

Srećko Horvats Interviewband ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Buch. Fernab davon, nur eine weitere katastrophale Krisendiagnose zu zeichnen, bietet er einen analytischen Problemaufriss – der sich in Stoßrichtung und Rhetorik stark dem gegenwärtigen Slavoj Žižek anverwandelt – und verwickelt daran anknüpfend eine ganze Riege der gegenwärtig einflussreichsten Intellektuellen ins Gespräch. Der entscheidende Moment unserer historischen Situation sei gerade ihre grundlegende Offenheit, schreibt Horvat einleitend, denn durch das immer offensichtlichere Scheitern des Kapitalismus öffne sich eine unbestimmte Zukunft, die es zu gestalten gelte, und zwar bevor andere Kräfte diese Aufgabe übernehmen. Ob durch die Vereinnahmung der Proteste im Namen der repräsentativen Demokratie oder mit Bedrohungsszenarien des Chaos, die herrschende Ideologie arbeite mit Hochdruck an der Einebnung der Bruchstellen.

Es sei wichtig, diese Unsicherheit, die das Potenzial zur grundlegenden Veränderung berge, mutig anzunehmen. Denn „die Alternative ist, […] in einer Ordnung [zu bleiben], deren Stabilität auf Lügen gründet und deren Sicherheit von der Sicherheit des Börsenstandes herrührt“ (27). Seine Gespräche kommen wie von allein auf diese Frage nach der Zukunft, denn das erklärte Ziel sei gerade „keine Huldigung, sondern Veränderung“ (36). Wenn Horvat dann mit Fukuyama über die Konsequenzen der Krise für seine These vom Ende der Geschichte spricht und sich darüber erstaunliche Parallelen zur Diagnose Hessels auftun, der für die radikale Ausweitung der Demokratisierung plädiert, wird mindestens klar, wie dringlich das Anliegen ein gemeinsames ist.

In Radikalität und Schwerpunkt verschieden, kommen so unterschiedlichste Visionen zu Wort, die in bemerkenswerter Weise den Spagat schaffen zwischen der Besonderheit der Perspektive (sowie der dafür stehenden Person) und der Verantwortung für die Aufgabe. Es wird persönlich, ohne Götzenanbetung, und es geht um die Sache, ohne die Widersprüche auszublenden. So vielfältig wie die Protagonist_innen sind auch die behandelten Themen: von den jüngsten Protesten bis zu allen möglichen Eckdaten des vergangenen Jahrhunderts. Darin liegt tatsächlich die große Stärke Horvats, der mit allem vertraut zu sein scheint und als wunderbarer Mediator einer fragenden und, wie Hessel sagen würde, empörten Generation fungiert.