Laika Verlag

 

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Rezension zu: Wenn die Toten erwachen – Die Riots in England 2011

16. Februar 2013
»Kritiker«, Die Freiheitsliebe

“Mit allen Mitteln die nötig sind” – Die Riots in England 2011

Der Auslöser für die Riots war die Ermordung Mark Duggans in einem Taxi durch Polizeibeamte in Tottenham, einem Stadteil Londons. Die Reaktion der Familie und von Freunden erfolgte erst am 6. August 2011 – zwei Tage nach der Erdmordung. Nachdem die Polizei keinerlei Anstalten machte, den Fall aufzuklären, zogen Anghörige des Opfers mit einem Demonstrationszug zur Polizeistation. Nachdem die Beamten mit Gewalt eine Angehörige des Opfers am Betreten der Polizeistation gehindert hatte, nahmen die Riots ihren Lauf: Polizeiwaagen wurden umgekippt und angezündet. In den folgenden Tagen weiteten sich die Plünderungen und die Übergriffe auf weitere Stadteile Londons und andere Städte, wie Brimingham, aus.

“Von einem Randalierer”
Mit Sätzen wie “Städte sind die Müllkippen” und “All die Bosse, die den Arbeitern Zeit und Leben rauben, sind die wahren Kriminellen” beschreiben beteiligte den wahren Hintergrund für die Riots. Mit diesem Einstieg haben die Herausgeber des Buches versucht ein konträres Bild zur öffentlichen Meinung zu erzeugen, um die gewohnten Meinungen aufzubrechen.  

Die interessanteste Frage stellt dabei wohl Evan Calder Williams, der deutlich die Frage nach Gerechtigkeit gestellt:

„Warum soll es gerecht sein, wenn ein selbsternannter Anarchist Ladendiebstahl begeht und das als einen Akt der Ablehnung des Kapitalismus begreift, während es kopflose Gier sei, wenn ein Jugendlicher im Verlauf von Ausschreitungen ein Geschäft ausraubt?“ (S. 98)

Die Stigmatisierung durch die bürgerliche Presse ist den meisten Menschen in Erinnerung geblieben. Kriminelle, Unruhestifter und Plünderer wurden die Aufständischen gennant. Ohne dass der wahre Grund für die Riots weiter beleuchtet wurde. Das Buch versucht alle Facetten des Widerstandes, der im Zusammenhang mit den Riots entstanden ist, aufzuzeigen. Es ist die Sammlung von Riotberichten, geschichtlichen Hintergründen und Aufsätzen über aktuelle antikapitalistische Bewegungen in Großbritannien. Alles in allem ein gelungenes Buch, welches höchstens durch die Auswahl an Texten subjektiv wirkt, aber welcher Sammelband tut das nicht?

Das Buch erschien letztes Jahr im Laika Verlag unter dem Titel „Wenn die Toten erwachen – Die Riots in England 2011“, herausgegeben von Sonja Suder, Christian Gauger und Chelsea Ives.