Laika Verlag

 

Laika Verlag

Rezension zu »Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv IV«

23. Februar 2013
Annika Bornheim, Junge Welt

Wer regt sich noch auf?

Die Asse im Ärmel: In der Bibliothek des Widerstands ist ein vierter Band zur Anti-AKW-Bewegung erschienen

Widerstand im Wendland, Widerstand in Ahaus – wir machen dem Atomstaat den Garaus!« Nicht nur in Gorleben weiß heutzutage so gut wie jedes Kind, daß Atomkraftwerke lebensgefährlich sind wie hätte man den Unfall in Fukushima denn auch verheimlichen können?

Der Protest gegen den Strahlenzauber ist in die Jahre gekommen. Als Pläne zur Nutzung der Energiequelle erstmals konkreter wurden, ließ er sich wohl noch leicht überhören. Nach Tschernobyl schwoll er enorm an, schwächelte dann etwas, um nach dem Unglück in Fukushima einen vorläufigen Höhepunkt zu erreichen. Da die Deutschen nun aber mit der Abschaltung einiger altersschwacher Kraftwerke ruhiggestellt wurden – wer regt sich noch auf? Nur rückwärtsgewandte Ökos mit ihren selbstgebauten Solaranlagen, langen Haaren, Schlaghosen und »Atomkraft? Nein Danke!«-Stickern, meinen Ignoranten. Aber natürlich gehören eher unscheinbare Gestalten, die Wert auf Haarewaschen und modische Kleidung legen, von Anfang an ebenso zum harten Kern der Atomkraftgegner. Zu deren Wirkungsgeschichte in Deutschland ist im Januar ein weiteres Buch in der »Bibliothek des Widerstands« erschienen: »Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv IV«. Der fünfte und letzte Teil soll im Laufe des Jahres folgen.

Die Verantwortlichen im Laika Verlag haben es sich also zur Aufgabe gemacht, das ewig und dreimal durchgekaute Thema gründlich und anschaulich aufzubereiten. Ihr vierter Band dokumentiert den Widerstand in Gorleben, Gronau und Ahaus sowie den Skandal um das Endlager Asse und das Kernkraftwerk AVR (Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor) Jülich. Die Filme auf den beiliegenden drei DVDs ziehen sich manchmal etwas in die Länge, aber der Sammelband selbst ist zumeist kurzweilig, instruktiv und bietet imposantes weiteres Bildmaterial.

Den Nenner der Beiträge allerdings hat das Buch mit vielen anderen gemeinsam: Atomkraft ist böse, und erneuerbare Energieträger sind die Lösung, lautet er leicht verkürzt. Man kann dem nur zustimmen, wird entsprechend selten mal überrascht, und das kann doch schnell ermüdend wirken.

Denkanstöße mit etwas mehr Wumms sind wohl wieder von Band V zu erwarten, der sich dem Problem der Endlagerung widmen und Perspektiven der Anti-AKW-Bewegung aufzeigen soll.