Laika Verlag

 

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Rezension: Häuserkampf I

17. Januar 2013
Alexander Struwe, pw-portal

Die Entwicklung der radikalen Linken in der Bundesrepublik nach 1968 ist unweigerlich verbunden mit der Geschichte der Hausbesetzungen und so ist deren Dokumentation in der Bibliothek des Widerstands auch ein wichtiges Zeugnis linker Selbstreflexion. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Rekonstruktion der verschiedenen Ereignisse an ihren unterschiedlichen Schauplätzen. Gefragt wird auch, wie und warum die Bewegung zum Stillstand kam – wo doch viele der damaligen Tendenzen in Sozial- und Stadtpolitik, auf die die breite Hausbesetzungswelle eine Antwort war, sich bis heute fortsetzen (wenn sie sich nicht sogar verschärften).

Als 1970 im Frankfurter Stadtteil Westend das erste Haus besetzt wurde, konnte noch niemand absehen, welche Dynamik sich daraus entfalten sollte. Was als Anwohneranliegen gegen kapitaltreue Interessenpolitik begann, weitete sich schnell zum Kristallisationspunkt gesamtgesellschaftlicher Konfliktlinien aus – die Häuserkämpfe waren hochgradig politische Kämpfe. Dementsprechend scharf fiel auch die Repression gegen die Besetzungen aus: großangelegte Räumungen, politische Denunziation und massive Polizeigewalt waren die Kehrseite der zum Teil angestrengten Verhandlungsbemühungen auf offizieller Seite.

Die Entwicklungen in Frankfurt sind dabei symptomatisch für andere Großstädte wie Berlin und Zürich. Die Autorinnen und Autoren arbeiten sich an den Stationen dieser Geschichte der kurzen Siege und großen Niederlagen ab. So verebbte die erste Besetzungswelle zu Beginn der 1970er-Jahre in Frankfurt zunehmend und während die zweite Welle in den 1980er-Jahren dort „mehr von Hausbesetzung zu Hausbesetzung [stolperte]“ (107), weiteten sich anderswo die Kämpfe aus. Die Spurensuche führt nach West-Berlin, wo der Konflikt zwischen 1980 und 1982 eskalierte, nach Freiburg, wo „fast die gesamte Alternativszene […] mit der Häuserkampfbewegung direkt etwas zu tun [hatte]“ (156) und nach Zürich und dem „Opernhauskrawall“. Vervollständigt wird die Darstellung mit dem für die Reihe typischen Film- und Bildmaterial sowie einer ausführlichen Chronologie.